Gibt es eine App um Tachomanipulation zu erkennen?

31.05.2020 | Allgemein, Gebrauchtwagen Check

Für den Käufer ist es oft nicht so einfach bei einem Gebrauchtwagen zu erkennen, ob Tachomanipulation am Wagen durchgeführt wurde oder nicht. Deshalb stellt sich die Frage, ob es denn dafür eine App gibt, um festzustellen, ob etwas am Auto nicht stimmt. Wir werden euch heute zeigen was ihr für Möglichkeiten habt.

Also, gibt es eine App um Tachomanipulation zu erkennen? Grundsätzlich gibt es Apps, die eine Tiefendiagnose bei eurem Fahrzeug durchführen können und dabei auch Tachomanipulationen auffallen würden. Insbesondere – und als einzige auf dem Markt – hat die Carly App eine ganz besondere Funktion, den Gebrauchtwagencheck, um einer Tachomanipulation auf den Grund zu gehen. Dabei prüft die App mehrere Steuergeräte des Fahrzeugs auf Plausibilität. 

In den folgenden Absätzen werden wir euch Tipps geben wie ihr euch am besten gegen Tachomanipulation schützt und wie Tachomanipulation einem Ende gesetzt wird.

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Tachomanipulation ist ein sehr lukratives Geschäft

Das Problem ist, dass die Manipulation eines Tachos ein wirklich sehr lohnenswertes Geschäft ist und in Deutschland sehr wenig dagegen getan wird. Der ADAC geht davon aus, dass rund 30% aller in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen einen veränderten Tachostand aufweisen. Dadurch können pro Fahrzeug im Durchschnitt 3.000 Euro mehr erzielt werden. Hierzulande werden pro Jahr rund 2,3 Millionen Gebrauchtwagen verkauft. Das macht insgesamt also ca. 2,5 Milliarden Euro an Mehrgewinn. Das ist eine unglaubliche Zahl, die aber verdeutlicht, das man leider überall und bei jedem mit einer Manipulation rechnen muss. 

Wie arbeitet eine solche App?

Zunächst wird an den OBD-2 Anschluss des Fahrzeugs ein Adapter angebracht. Dieser ist mit Bluetooth und/oder WLAN ausgestattet und verbindet sich so mit dem Smartphone, auf der die Diagnose App installiert ist.

Ein Auto ist heutzutage eher ein rollender Computer als nur ein Fortbewegungsmittel. In einem heutigen Fahrzeug sind bis zu 100 Steuergeräte eingebaut, um die verschiedenen Systeme zu regeln. Jedes Steuergerät erfüllt dabei eine sehr spezifische Funktion. Die einen sind für die Zündung, andere für die Klimaanlage oder Fahrerassistenzsysteme zuständig. 

Signale von Sensoren und Bedienelementen werden empfangen, ausgewertet und dann in eine entsprechende Aktion umgesetzt. Alle Steuergeräte sind miteinander über eine “Datenautobahn” verbunden.  

Der Kilometerstand kann in sehr unterschiedlichen Steuergeräten gespeichert sein wie z.B.:

  • Motorsteuerung
  • Wegfahrsperre
  • Elektronisches Zündschloss
  • Fehlerspeicher
  • ABS-Modul
  • Getriebesteuerung
  • Batteriesteuerung
  • Lichtschaltzentrum
  • Partikelfilter

Viele Manipulierer übersehen glücklicherweise einige der Steuergeräte, auf denen auch der Kilometerstand gespeichert wurde. Daher kann eine gute App bei ihrer Diagnose darauf stoßen. Die Carly App liest viele dieser Steuergeräte aus und sucht nach Unstimmigkeiten. Außerdem wird im Rahmen des Gebrauchtwagenchecks die Durchschnittsgeschwindigkeit aus dem Tachostand und den Betriebsstunden errechnet. Kommt es hier zu “komischen” Werten, wird eine entsprechende Warnung ausgegeben.

Vorgehen am Beispiel der Carly App

Um euch mal beispielhaft aufzuzeigen, wie eine solche Diagnose funktioniert, haben wir die Carly App installiert. Hier nun die einzelnen Schritte:

  1. OBD-Adapter an die Buchse im Wagen anschließen
  2. App starten, kurz auf die Verbindung warten und die Funktion “Gebrauchtwagencheck” auswählen
  3. Die App arbeitet sich selbstständig durch die gesamte Diagnose, was nur rund 30 Sekunden dauert.
  4. Am Ende erhaltet ihr eine Zusammenfassung der Diagnose und ggf. eine Warnung, wenn es zu Unstimmigkeiten gekommen ist

So einfach ist das. In insgesamt rund einer Minute erfahrt ihr somit, ob an dem Wagen manipuliert wurde oder ob es sich um einen seriösen Verkäufer handelt. Apropos … ein seriöser Verkäufer wird sich immer damit einverstanden erklären, dass ihr eine solche Diagnose vor dem Kauf durchführt. Sollte sich der Verkäufer hingegen weigern, sollten die Alarmglocken schlagen.

Tachomanipulation aufdecken App

Wie gut kann eine App eine Manipulation des Tachos erkennen?

Dies kommt natürlich auf mehrere Faktoren an. Als Erstes stellt sich die Frage, wie gut die App ist. Nur eine wirklich gut programmierte App – am besten mit einer speziellen Funktion für den Gebrauchtwagencheck – wird eine breit gestreute Analyse möglichst vieler Steuergeräte durchführen und so einem Manipulierer auf die Schliche kommen. 

Ein weiterer Punkt ist, wie gründlich die Manipulation gemacht wurde. Handelte es sich um einen Amateur oder aber einen professionellen Dienstleister, der sich genau mit dem Thema auskennt und weiß, welche Steuergeräte er manipulieren muss. 

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Die Profis unter den Tacho Manipulierern werden immer besser. Daher muss auch die App stets mithalten um den “bösen Buben” immer einen Schritt voraus zu sein. Eine gute App wird daher ständig aktualisiert und den neuen Bedingungen angepasst.

Wie kann man sonst noch eine Tachomanipulation erkennen?

Eine App ist sicherlich die erste Wahl bei der Feststellung, ob eine Tachomanipulation vorliegt oder nicht. Aber besser ist es, auch auf andere Anzeichen und Hinweise zu achten. Erst das Gesamtbild gibt euch dann den richtigen Eindruck. Hier nun einige Tipps worauf ihr sonst noch achten solltet:

Wie ist der allgemeine Zustand des Gebrauchtwagens?

Ein Auto, das angeblich erst 40.000 km gelaufen ist, sollte keine abgenutzten Sitze haben, das Armaturenbrett sollte noch nicht allzu verkratzt sein, das Lenkrad dürfte noch nicht zu sehr abgegriffen sein und auch der Lack sollte noch nicht stumpf sein. Natürlich geht ein Auto vernarrter Rentner vermutlich anders mit dem Auto um, als ein wilder Mittzwanziger, aber trotzdem gibt es beim Allgemeinzustand ausreichend Hinweise.

Gibt es alte Rechnungen zu dem Fahrzeug?

Kann der Besitzer alte Wartungs- oder Reparatur Rechnungen vorlegen? Zum einen ist dies natürlich interessant, um zu sehen, wie der Wagen gepflegt wurde und ob ein Unfall vorgelegen hat, aber zum anderen sind auf diesen Rechnungen immer auch die Kilometerstände vermerkt. Zusammen mit dem Serviceheft sollte sich hier ein passendes Bild ergeben und alle Angaben zueinander passen. Gleiches gilt für die HU- und AU-Belege. Auch diese sollten vorhanden sein und zu Rate gezogen werden.

Wann ist der nächste Ölwechsel fällig?

Im Schnitt wird alle 30.000 km ein Ölwechsel empfohlen. Der Aufkleber bzw. Anhänger im Motorraum gibt den Kilometerstand des nächsten Ölwechsels an. Passen die Angaben zu dem Kilometerstand? Ergeben die Angaben einen logischen Sinn oder sieht hier etwas nach Manipulation aus? 

Wie können die Reifen etwas über den Tachostand sagen?

Autoreifen Tachomanipulation erkennen

Viele wissen nicht, dass man auf den Reifen deren Produktionsdatum erkennen kann. Die sogenannte DOT-Nummer, die auf einer Flanke des Reifens angebracht ist, besagt mit den ersten beiden Ziffern in welcher Kalenderwoche und mit den letzten beiden Ziffern in welchem Jahr der Reifen produziert wurde. Geht man von einer Lebensdauer von rund 30.000 km für einen Reifen aus, lassen sich hier entsprechende Rückschlüsse ziehen.

Wie sieht es mit Vorbesitzern aus?

Gab es bereits Vorbesitzer bei dem Gebrauchtwagen? Hierzu findet ihr die entsprechenden Angaben in der Zulassungsbescheinigung Teil II. Versucht durchaus einmal Kontakt zu einem der Vorbesitzer aufzunehmen, um herauszufinden mit wie vielen Kilometern und wann er das Fahrzeug an den jetzigen Besitzer weiterverkauft hat. 

Der Car Pass könnte Abhilfe schaffen

In anderen Ländern, wie z.B. Belgien, gibt es mittlerweile den Car Pass. Hierbei handelt es sich um eine Online Software, die alle relevanten Fahrzeugdaten speichert. Man kann diese Daten sogar automatisch an die Anwendung übertragen lassen. Sämtliche Werkstattaufenthalte werden ebenfalls hier hinterlegt. Immer mit den Kilometerständen. Diese Werte sind nicht löschbar und daher hat man über das gesamte “Leben” des Fahrzeugs eine lückenlose und chronologische Dokumentation. Bei jedem Verkauf eines Wagens muss diese Dokumentation vorgelegt werden. Damit wird Manipulationen das Handwerk gelegt. 

Fazit

Mit der richtigen App kann man einer Tachomanipulation auf den Grund gehen. Insbesondere die Carly App mit ihrer Gebrauchtwagen-Check-Funktion ist hierfür besonders gut geeignet. Kriminelle gehen immer gerissener vor bei der Veränderung des Tachostandes und daher muss man mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Spurensuche gehen. Daher ist es auch immer gut, nach weiteren Indizien für eine Manipulation zu schauen. Schaut euch daher den allgemeinen Zustand des Fahrzeugs, den Ölwechsel Aufkleber, alte Rechnungen und das Serviceheft und die Reifen genau an. Je mehr Informationen ihr über den Wagen, den ihr kaufen möchtet, in Erfahrung kriegt, desto besser. 

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Man möchte ja auch nicht eines Tages bemerken, dass mit dem Auto etwas nicht stimmen kann. Das kann übrigens auch sehr kostspielig werden. Hat das Fahrzeug einen viel höheren Kilometerstand als angenommen, ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass Verschleißteile ausgewechselt werden müssen oder der Motor sogar ganz seinen Geist aufgibt.