Was tun bei Tachomanipulation? Die 4 wichtigsten Schritte!

02.06.2020 | Allgemein, Gebrauchtwagen Check

Bei einem Auto Tachomanipulation festzustellen ist oft gar nicht so einfach. Mit dem nötigen Wissen und den passenden Mitteln habt ihr jedoch eine Chance den Gaunern auf die Schliche zu kommen. Wie ihr das macht, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Also, was tun bei Tachomanipulation? Eine Statistik besagt, dass bis zu 30% aller in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen (das sind demnach rund 2,5 Millionen Fahrzeuge) eine Tachomanipulation aufweisen. Daher ist die Chance relativ hoch, dass man ein solches Fahrzeug erwischt und den Betrügern auf den Leim gegangen ist. Man hat diverse Möglichkeiten, von der Rückgabe des Fahrzeugs bis hin zur Erstattung einer Anzeige.

Wir zeigen euch, auf was ihr achten müsst und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um in 4 Schritten die Tachomanipulation bei eurem Wagen aufzudecken.

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Schritt 1: Die Tachomanipulation erkennen

Natürlich müsst ihr erst einmal wissen, ob bei dem Fahrzeug, dass ihr kaufen möchtet bzw. das ihr gekauft habt, der Tacho manipuliert wurde. Hier die Dinge, auf die ihr achten solltet:

Wie wirkt das Auto insgesamt?

Ein erstes Indiz könnte der Allgemeinzustand des Wagens sein. Passt dieser zum Tachostand? Sind die Sitzpolster schon abgenutzt, obwohl das Auto angeblich erst 60.000 km gefahren ist? Wirkt das Lenkrad speckig und sehr häufig gebraucht? Ist das Armaturenbrett, die Scheiben oder Scheinwerfer stark verkratzt? Ist der Lack stumpf und weist viele Gebrauchsspuren auf? 

Liegen Rechnungen, Berichte und das Scheckheft vor?

Schaut euch als nächstes alte Rechnungen, TÜV-Prüfungsberichte und das Scheckheft genau an. Bei allen Belegen sind stets die Kilometerstände angegeben. Passen die Angaben? Wirken alle Einträge echt und authentisch? 

Was steht auf dem Ölwechsel Hinweis?

Im Motorraum findet ihr einen Aufkleber oder Anhänger, auf dem der Kilometerstand für den nächsten Ölwechsel vermerkt ist. Im Durchschnitt muss alle 30.000 km ein Ölwechsel erfolgen. Passt der Wert logisch zum Tachostand oder gibt es hier Unstimmigkeiten?

Habt ihr schon einmal eine Diagnose App ausprobiert?

Mithilfe einer speziellen App für euer Smartphone könnt ihr dem Wagen etwas tiefer auf den Zahn fühlen. Die Carly App hat zum Beispiel eine spezielle Funktion zum Checken von Gebrauchtwagen. Sie prüft dabei unter anderem die Kilometerstände in verschiedenen Steuergeräten und gibt eine Warnung aus, wenn etwas nicht stimmt. 

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es, um den Tachostand nachzuprüfen?

Ihr könnt euch außerdem einmal die Reifen anschauen. Auf jedem Reifen gibt es eine DOT Nummer, die das Datum der Herstellung angibt. Die ersten beiden Zahlen geben einen Hinweis zur Kalenderwoche und die letzten beiden Ziffern benennen das Produktionsjahr. Wenn man davon ausgeht, dass Reifen rund 40.000 km halten, kann man daraus entsprechende Schlüsse ziehen.

Ölwechsel Auto Tachomanipulation

Eine weitere Option ist die Kontaktaufnahme zu einem Vorbesitzer. Schaut in den Fahrzeugpapieren nach und sprecht mit einem der Vorbesitzer. Bei wie vielen Kilometern hat er den Wagen weiterverkauft? 

Schritt 2: Privatkauf oder Kauf bei einem Händler?

Es ist ein großer Unterschied, ob ihr den Wagen bei einem Händler kaufen wollt / gekauft habt oder über einen privaten Verkäufer. Ein gewerblicher Händler kann viel stärker in die Haftung genommen werden. Bei einem privaten Verkäufer kommt es zudem auf die genauen Formulierungen im Kaufvertrag an, da dieser einige Sachen ausschließen kann. Ein gewerblicher Händler ist da deutlich mehr an allgemeine gesetzliche Regelungen gebunden und selbst einschränkende Formulierungen haben oft keine Bindung, da sie rechtswidrig sind. 

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Übrigens: Auch ein Selbständiger wie z.B. ein Handwerksbetrieb, ein Architekt oder Künstler, der sein Firmenfahrzeug verkauft, gilt als gewerblicher Verkäufer. Im umgekehrten Fall kann auch ein Autohändler, der sein privat genutztes Fahrzeug verkauft, als Privatperson auftreten.  

Schritt 3a: Kauf bei einem privaten Verkäufer

Ein Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen ist an keine Form gebunden und alles kann frei verhandelt werden. Grundsätzlich gilt, dass ein Privatverkäufer eine sogenannte Sachmängelhaftung ausschließen kann – außer es handelt sich um grobe Fahrlässigkeit bzw. Sachmängel die Leben, Gesundheit und Körper betreffen … diese können nicht ausgeschlossen werden. 

Obwohl im Vertrag zum Beispiel „Gekauft unter Ausschluss jeder Gewährleistung wie besichtigt und Probe gefahren“ steht, haftet der Privatverkäufer trotzdem, wenn ihm die Mängel zum Zeitpunkt des Verkaufs bekannt waren, da es sich in einem solchen Fall um grobe Fahrlässigkeit handelt.

Werden im Kaufvertrag Formulierungen wie “Laufleistung laut Tacho”, “Kilometerstand – soweit bekannt – xxx km” oder ähnliches gewählt, wird es mit der Haftung schwierig – außer es handelt sich um böswillige und bewusste Täuschung. Steht dort jedoch so etwas wie “Der Kilometerstand beträgt xxx km” oder “Tachostand: xxx km” kann der Verkäufer “darauf festgenagelt werden”, wenn rauskommt, dass dieser Wert nicht stimmt. 

Schritt 3b: Kauf bei einem gewerblichen Verkäufer

Auch hier ist der Kaufvertrag an keine Form gebunden. Gut beraten seid ihr aber, wenn ihr z.B. auf das Vertragsmuster des ADAC besteht, so können keine versteckten Klauseln zu einem bösen Erwachen führen. 

Im Gegensatz zu einem privaten Verkäufer darf hier die Sachmängelhaftung für Mängel, die bereits bei Übergabe des Fahrzeugs vorliegen, nicht ausgeschlossen werden. Man hat in diesem Fall bis zu 6 Monate Zeit die Mängel anzuzeigen. Eine Sachmängelhaftung besteht aber immer 2 Jahre lang (auch wenn im Kaufvertrag nur ein Jahr steht). 

Weist das Fahrzeug einen Mangel auf, habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Ein Mangel liegt laut Gesetz dann vor, wenn “die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit einer Ware von der tatsächlichen Beschaffenheit abweicht”. Als Käufer fordert man nun eine Nachbesserung der Sache. Dies kann nach alleiniger Wahl des Käufers eine Reparatur oder die Bereitstellung einer gleichwertigen Sache sein. Beides ist im Falle eines Gebrauchtwagens nicht möglich. 

Gewerblicher Autohändler BMW

Liegt ein Sachmangel gemäß § 434 BGB vor, kann man vom Kaufvertrag zurücktreten. Dabei wird das Fahrzeug zurückgegeben und man erhält den Kaufpreis zurück. Aber Achtung: Hierbei kommt es ganz wesentlich auf die Formulierungen im Kaufvertrag an. Bitte lest hierzu den Absatz in Abschnitt 3a. Es würde demnach kein Mangel vorliegen, wenn dort so etwas stünde wie z.B. “Die Gesamtlaufleistung ist nicht bekannt”. Damit hat der Verkäufer nämlich keine konkrete Zusage gemacht und kann somit auch nicht in die Schuld genommen werden. 

Man kann außerdem Schadenersatz bzw. Minderung verlangen, wenn beim gekauften Fahrzeug nachweislich der Tacho manipuliert wurde. Zu Minderung sagt § 441 BGBt: “Bei der Minderung ist der Kaufpreis in dem Verhältnis herabzusetzen, in welchem zur Zeit des Vertragsschlusses der Wert der Sache in mangelfreiem Zustand zu dem wirklichen Wert gestanden haben würde.” Hat man also z.B. einen Wagen mit angeblich 50.000 km für 15.000 Euro erworben und später stellt sich heraus, dass der Wagen bereits 90.000 km (Wert somit nur 10.000 Euro) gelaufen ist, hat man Anrecht auf den Ausgleich (5.000 Euro). 

Schritt 4: Anzeige erstatten

Man kann natürlich auch Anzeige gegen den Verkäufer erstatten. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen dem Vorgang der Manipulation an sich und Betrug. 

Manipulation des Tachos

Gemäß § 22b Straßenverkehrsgesetz ist der Missbrauch des Wegstreckenzählers (Tachometer)  strafbar und kann mit einer Geldbuße oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden. Wenn der Verkäufer also nachweislich den Tacho verändert hat, kann er entsprechend belangt werden. 

Betrug

Verkauft jemand ein Fahrzeug mit dem Wissen über eine Manipulation des Tachos, handelt es sich gemäß § 263 Strafgesetzbuch um Betrug. Dieser kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft werden. Hierbei muss der Verkäufer gar nicht den Tacho selbst verändert haben, es reicht die Tatsache, dass er Kenntnis davon hatte und dies verschwiegen hat. 

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In beiden Fällen muss man stets das Fehlverhalten auch nachweisen können, was oft der Haken an der Sache ist. Nutzt die in Schritt 1 genannten Maßnahmen zum Erkennen einer Tachomanipulation. Die Carly App ist hierbei wirklich besonders hilfreich und verlässlich. 

Alle Angaben sind ohne Gewähr. Lasst euch im Zweifel anwaltlich beraten.