Wie funktioniert Tachomanipulation bei BMW?

31.05.2020 | Allgemein, Gebrauchtwagen Check

Tachomanipulation findet man in Deutschland leider viel öfter, als man vielleicht denken würde. Bei bis zu 30% aller Gebrauchtwagen wurde am Tacho gedreht. BMW ist da keine Ausnahme … im Gegenteil. Premium Fahrzeuge sind besonders gefragt, da die Gewinnoptimierung durch die Tachomanipulation umso größer ist.

Aber wie funktioniert Tachomanipulation bei einem BMW? Leider ist es verhältnismäßig einfach, einen Tacho bei BMW zu manipulieren. Die Hersteller tun sehr wenig, um diesem kriminellen Geschäft Einhalt zu gebieten. Man braucht nur das entsprechende Gerät und eine Stunde Zeit und schon hat der Wagen 30.000 oder gar 80.000 km weniger auf dem Tacho. Dabei werden die Steuergeräte mit falschen Werten versehen und es wird schwer für den Experten in der Werkstatt den echten Wert herauszufinden.

Hier erfahrt ihr die Details dieses schmutzigen Geschäftes und auch wie ihr euch davor schützen könnt.

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Ein lohnendes Geschäft für böse Buben

Um euch mal einen Eindruck davon zu geben, wie lohnend und damit verführerisch das Geschäft mit manipulierten Tachos wirklich ist, machen wir euch mal eine Rechnung auf. Dabei sind folgende Parameter zu berücksichtigen:

  • Anzahl der verkauften Gebrauchtwagen in Deutschland: 7 Millionen
  • 30% weisen Tachomanipulationen auf: 2,3 Millionen
  • Wertsteigerung durch Tachomanipulation durchschnittlich: € 3.000

Das macht rund € 7.000.000.000 Mehreinnahmen aufgrund der manipulierten Tachos. Der Gesamt-Gebrauchtwagenmarkt macht rund 90 Milliarden Euro Umsatz. Dies bedeutet demnach ein Anteil von knapp 8% entfallen alleine auf den erhöhten Umsatz durch veränderte Kilometerstände – eine erschreckend hohe Zahl. Auf europäischer Ebene soll der Anteil sogar bei bis zu 50% liegen. Natürlich sind dabei Modelle von BMW und Co. besonders beliebt, da man hier durchschnittlich mehr Wertsteigerung erzielen kann, als bei einfachen Fabrikaten. 

Manche Verkäufer lassen die Tachomanipulation durch entsprechende Dienstleister – von denen es zuhauf gibt – durchführen. Man kann diese Dienstleister ganz einfach im Internet finden. Solch eine Dienstleistung kostet durchschnittlich 100€. Wenn nur 50% aller Tachomanipulationen von denen durchgeführt werden, machen sie einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Es ist also kaum verwunderlich, dass das Geschäft mit veränderten Kilometerständen so boomt. 

Wie funktioniert nun die eigentliche Tachomanipulation bei einem BMW?

Wie alle heutigen Fahrzeuge, sind natürlich auch BMWs fahrende Computer. Es sind im Normalfall 80-100 Steuergeräte verbaut, die sich um die unterschiedlichsten Aufgaben kümmern. Jedes Steuergerät hat eine spezifische Aufgabe. Eins ist für die Klimaanlage zuständig, eins für die Schließanlage, eins für das ABS usw. Sie sind alle miteinander über eine Datenautobahn, dem CAN-Bus, verbunden.

An einer Stelle im Fahrzeuginnenraum befindet sich der OBD-2 Anschluss. OBD (On board diagnose) wurde ursprünglich nur für abgasrelevante Systeme entwickelt. Es können damit aber praktisch alle Steuergeräte angesprochen werden. Über diesen Anschluss und einen passenden Adapter kann man sich in das System einwählen. Die zur Tachomanipulation verwendeten Geräte können insbesondere die Tachostände in verschiedenen Steuergeräten auslesen und ändern. Je nachdem, wie gut diese Geräte sind, finden sie die meisten Stellen, an denen der Tachostand hinterlegt ist. 

Kilometerstände werden in vielen Steuergeräten hinterlegt

Der Kilometerstand wird nicht nur am eigentlichen Tacho mitgehalten. Er wird auch in vielen anderen Systemen und Steuergeräten aufgezeichnet. Bei Systemen wie der Überwachung der Wartungsintervalle leuchtet es sicherlich jedem ein, aber auch bei der Klimaanlage oder der Wegfahrsperre werden die Kilometerstände gespeichert. Welches Fahrzeug in welchen Steuergeräten diese Daten festhält, ist je nach Hersteller unterschiedlich. 

Das macht es den Manipulierern somit auch nicht ganz so einfach, stets alle Aufzeichnungen zu finden und zu ändern. Und hier liegt die große Chance, den Schwindel auffliegen zu lassen. Anwendungen für das Smartphone wie z.B. die Carly App können unter Umständen diese Unstimmigkeiten aufspüren. Carly hat sich dabei auf BMW spezialisiert und hat als einzige auf dem Markt eine Gebrauchtwagencheck Funktion. Damit können Manipulationen in den meisten Fällen aufgedeckt werden. Mehr zu Steuergeräten findet ihr im nächsten Hauptkapitel.

Auch Betriebsstunden geben Aufschluss

Was bei den Tachomanipulationen nicht berücksichtigt wird, sind die Betriebsstunden einzelner Systeme. Aus den Betriebsstunden lässt sich nämlich einiges ableiten. Am besten lässt sich das wieder an einem Beispiel festmachen:

  • Angeblicher Tachostand: 75.000 km
  • Betriebsstunden der Klimaanlage: 4.500 Stunden

Tachostand Steuergerät herausfinden

Teilt man die 75.000 nun durch die 4.500 Betriebsstunden ergeben sich knapp 17 km pro Stunde Fahrleistung. Da kann doch etwas nicht stimmen. Selbst im Stadtverkehr sind dies rund 30 km/h. Bei hauptsächlicher Nutzung auf Langstrecken bzw. auf der Autobahn ist dieser Wert noch deutlich höher.

Übrigens: Laut Statistik ist die durchschnittliche Jahresfahrleistung knapp unter 14.000 km pro Jahr. Auch aus dieser Zahl kann man ggf. seine Schlüsse ziehen. 

Bei älteren Modellen muss man zu anderen Mitteln greifen

Handelt es sich um ältere BMWs, muss manchmal auch eine Tachomanipulation über den Diagnosestecker auf der Rückseite des Tachometers erfolgen. Hierzu muss dieser ausgebaut und ein spezielles Gerät angeschlossen werden. Erst werden dann die alten Daten ausgelesen und später neu programmiert. Bei diesen älteren Modellen werden die Kilometerstände dann auch meist in keinem anderen Steuergerät abgelegt, was eine Analyse deutlich erschwert. 

Steuergeräte sind der Schlüssel

Wie bereits erwähnt sind in einem modernen BMW bis zu 100 Steuergeräte verbaut. Jedes relevante Bauteil in einem Fahrzeug hat ein eigenes Steuergerät, so auch eins für den Fehlerspeicher, die Lichtanlage, das ABS, der Zündung, die Getriebesteuerung oder das elektrische Zündschloss. Diese Steuergeräte müssen extremen Bedingungen standhalten wie z.B. Temperaturunterschiede von minus 50 Grad (außen) bis hin zu 150 Grad (innen). Sie werden zudem ständig ordentlich durchgerüttelt und in anderer Weise beansprucht. 

Früher wurden die Steuergeräte alle einzeln miteinander verbunden, was zu Kabelbäumen von bis zu 3 km in einem einzigen BMW führte. Heutzutage sind sie über eine Datenautobahn, dem CAN-Bus, miteinander vernetzt. Sie arbeiten nach dem sogenannten EVA-Prinzip. Daten werden E-ingegeben, V-erarbeitet und anschließend A-usgegeben. Die Eingabe erfolgt meist über Sensoren, die Verarbeitung ist ein Abgleich von Soll- und Ist-Werten. Das Ausgeben dann eine Aktion, um den Ist-Wert wieder an den Soll-Wert anzupassen, falls es hier zu Abweichungen gekommen ist. Steuergeräte verfügen je nach Aufgabe über mehr oder weniger komplexe Computerchips und einen Speicher. Hier werden relevante Daten, wie eben auch die Kilometerstände abgelegt.

BMW hat sich als Gründungsmitglied zusammen mit anderen Partnern im Verbund AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture) zusammengeschlossen, um eine standardisierte Systemarchitektur für Steuergeräte zu schaffen. 

Nicht immer ist ein krimineller Hintergrund Anlass für eine Veränderung des Tachos

Zuweilen kann es gerechtfertigte Gründe für eine Änderung am Tacho geben. In solchen Fällen spricht man von einer Tachojustierung. Ein solches Vorgehen muss entsprechend gemeldet werden. Der häufigste Grund für eine Tachojustierung ist eine Änderung der Reifengröße. Lässt man sich z.B. größere Reifen, als in den Fahrzeugpapieren angegeben, aufziehen, muss der Tacho entsprechend angepasst werden, da diese größeren Reifen sich nun weniger oft drehen, um eine gewisse Strecke zurückzulegen. 

Rechtliche Unterschiede bei der Tachomanipulation

Es gibt übrigens rechtlich einen Unterschied zwischen der eigentlichen Manipulation des Tachos und dem Vortäuschen eines falschen Tachostandes. Man kann ja ganz theoretisch einfach nur so zum Spaß den Kilometerstand seines eigenen Wagens nach unten korrigieren. Sieht doch viel schöner aus, wenn da 20.000 statt 60.000 steht, oder? Ja, theoretisch kann man das tun, allerdings macht man sich damit strafbar. Denn gemäß Straßenverkehrsgesetz § 22b ist bereits die Vorbereitung eines Missbrauchs des Wegstreckenzählers (so heißt der Tacho offiziell) strafbar und kann mit einer Geldbuße oder aber einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden.

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Etwas ganz anderes ist es, wenn man den Kilometerstand verändert um damit jemanden reinzulegen. Möchte man das Fahrzeug verkaufen und täuscht dabei einen niedrigeren Tachostand vor, macht man sich gemäß § 263 des Strafgesetzbuches strafbar. Ein solches Delikt kann dann auch mit einer saftigen Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft werden. 

Einerseits ist das Geschäft wirklich lukrativ und reizvoll – andererseits winken auch hohe Haft oder Geldstrafen. Offenbar ist die Abschreckung aber noch nicht Grund genug, sonst würde es nicht so viele Betrugsfälle geben. 

Das Beste ist, man schützt sich beim Gebrauchtwagenkauf vor einem Betrug

Jetzt wisst ihr, wie Tachomanipulation funktioniert und was für ein gutes Geschäft sich damit machen lässt. Nun geht es darum, sich vor einem solchen Betrug zu schützen. Welche Möglichkeiten habt ihr, einer Tachomanipulation bei einem gebrauchten BMW, den ihr vielleicht kaufen wollt, auf den Grund zu gehen? Wir zeigen euch die besten Tipps und Tricks:

Der Allgemeinzustand des Wagens

Ein Wagen mit 50.000 km auf dem Buckel sollte anders aussehen, als einer mit 90.000. Denn im Normalfall bedeutet das, dass er rund 3 Jahre älter ist … und in drei Jahren kann viel passieren. Die Polster sehen nicht mehr ganz so frisch aus, das Lenkrad wird speckig und der eine oder andere Kratzer zeigt sich. Auch wenn es sicher grobe Unterschiede zwischen der Pflege des Wagens durch einen “wilden” Mittzwanziger und einem Rentner gibt, kann man dennoch einiges aus dem Zustand des Wagens ableiten. Passt also der angegebene Tachostand zum allgemeinen Zustand des BMWs? Seid aufmerksam und achtet auch auf Details.

Alte Rechnungen und das Scheckheft

Jedes Fahrzeug war schon mal in der Werkstatt. Sei es zu Wartungs- oder aber Reparaturarbeiten, sei es zur Haupt- oder Abgasuntersuchung. Bei jedem dieser Vorgänge sind Rechnungen oder Berichte erstellt worden und darauf findet sich immer auch der Kilometerstand. Lasst euch diese Belege vorlegen und schaut sie euch genau an. Gleiches gilt für das Service- oder Scheckheft. Ist dieses ordentlich gepflegt und sind alle Eintragungen gemacht? 

Extra-Tipp zum Scheckheft: Weisen alle Eintragungen stets dieselbe Unterschrift auf? Ist die Stempelfarbe der Werkstatt immer gleich intensiv? Ist das Schriftbild der handschriftlichen Eintragungen wie Datum oder Kilometerstand immer gleich? Dann solltet ihr achtsam sein. Das stinkt nach einer Manipulation. 

Ölwechsel-Aufkleber

Ein BMW braucht rund alle 25.000 bis 30.000 km einen Ölwechsel – das ist je nach Modell ein wenig unterschiedlich. Weist der Tacho nun z.B. 50.000 km aus und auf dem Aufkleber, der an den nächsten Ölwechsel erinnert, steht, dass dieser bei 85.000 km fällig ist, sollten eure Alarmglocken klingen. Denn selbst, wenn gerade erst ein Ölwechsel erfolgte, wäre der nächste Zeitpunkt dann bei spätestens 80.000 km. Hier sieht es so aus, als wäre am Tacho gedreht worden. 

Auto Tachomanipulation Ölwechsel

Diagnose App

Die Carly App hat sich auf BMW spezialisiert und versteht sich daher mit dieser Marke am besten. Als einzige App auf dem gesamten Markt verfügt sie zudem über eine Gebrauchtwagencheck Funktion. Die App prüft hierbei alle wichtigen Steuergeräte und erkennt Unstimmigkeiten. Sollten irgendwo unterschiedliche Kilometerstände abgespeichert sein oder die Analyse der Betriebsstunden unstimmige Daten ergeben, wird eine Warnung angezeigt.

Lasst die Profis ran

Eine weitere Möglichkeit ist die Überprüfung durch den ADAC, den TÜV oder die DEKRA. Im Rahmen einer Gebrauchtwagen Überprüfung werden Motor und Karosserie unter die Lupe genommen. 

Sollte der Verkäufer einer Überprüfung durch die Carly App oder einem Check bei TÜV und Co. nicht zustimmen, lasst lieber die Finger von dem Wagen. Jeder seriöse Verkäufer wird sicher nichts dagegen haben. Umgekehrt wird sicher etwas faul sein.

In Zukunft wird alles einfacher

Leider haben weder die Autohersteller noch der Gesetzgeber besonders viel gegen die Eindämmung von Tachomanipulationen getan. Obwohl es technisch gar nicht schwierig oder teuer ist (angeblich wäre der Mehraufwand nur rund einen Euro) bauen die Hersteller keinen Schutz vor einer Manipulation des Kilometerstandes ein. Zumindest bisher. Dies soll sich aber bald ändern und Betrüger werden es deutlich schwerer haben.

Das europäische Parlament fordert bereits seit 2 Jahren mehrere Maßnahmen gegen Tachomanipulation. Leider sind die entsprechenden Verordnungen aber noch nicht verabschiedet worden. Das Parlament fordert unter anderem die Einrichtung einer nationalen Datenbank. 

Belgien hat einen sogenannten Car Pass bereits eingeführt und kann tolle Erfolge damit verbuchen. Jedes Fahrzeug wird hier registriert und Daten werden dort manipulationssicher auf einem externen Server gespeichert. Jede Reparatur muss hier gemeldet werden. TÜV-Berichte gehen automatisch in die Datenbank ein. Manche Fahrzeugmodelle senden sogar ihre Daten online in Echtzeit gleich an diese Datenbank. So wird es Betrügern nahezu unmöglich gemacht, am Kilometerstand etwas zu ändern. Bei jedem Gebrauchtwagenverkauf muss der Car Pass elektronisch vorgelegt werden. 

Auch in Deutschland gibt es solche Datenbanken bereits – allerdings nur auf freiwilliger Basis. Kann ein Verkäufer jedoch einen solchen Car Pass vorlegen, gibt einem das ein sichereres Gefühl. 

Tachomanipulation ist ein großes Ärgernis

Wie wir sehen konnten, ist es zwar einerseits gar nicht schwer, eine Tachomanipulation vorzunehmen. Die Geräte kann man leicht kaufen und Dienstleister bieten ihre Leistungen frei und offen an. Geht man jedoch etwas tiefer, erkennt man, dass der Teufel im Detail liegt, da der Kilometerstand in vielen verschiedenen Steuergeräten gespeichert wird. Mit der richtigen App – wie z.B. der Carly App kann man den bösen Buben das Handwerk legen. Prüft alles sehr genau, bevor ihr euch für einen gebrauchten BMW entscheidet. 

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Ein paar interessante Fakten zum Schluss

  • Durchschnittliche Jahresfahrleistung: 13.800 km
  • Gefahrene Kilometer aller Fahrzeuge in einem Jahr: 736 Milliarden Kilometer
  • Durchschnittsalter eines Gebrauchtwagens in Deutschland: 6,2 Jahre
  • Durchschnittspreis eines Marken Gebrauchtwagens: 16.470 Euro
  • Durchschnittspreis eines Gebrauchtwagens eines privaten Händlers: 8.500 Euro
  • Anteil Privatverkäufe: 33%
  • Gesamtumsatz des Gebrauchtwagenmarktes: 90 Milliarden Euro
  • Größter Gebrauchtwagenhändler Deutschlands: Dat Autohus, Bockel