Wie erkennt man Tachomanipulation?

29.09.2020 | Allgemein, Gebrauchtwagen Check

Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum es überhaupt wichtig ist, dass man eine Tachomanipulation an einem Fahrzeug erkennt, oder? Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 7,2 Millionen Gebrauchtwagen verkauft … und jetzt kommt der erschreckende Fakt: bei rund 30% davon, also bei 2,4 Millionen Fahrzeugen wurde am Tacho manipuliert! Daher ist es in der Tat sehr wichtig, dass man weiß, wie man eine Tachomanipulation erkennt. 

Wie erkennt man Tachomanipulation? Es gibt mehrere Möglichkeiten, um betrügerischen Verkäufern von Gebrauchtwagen und damit Tachomanipulation auf die Schliche zu kommen. Die einen sind logischer Natur, andere beruhen auf Sichtprüfung etc. und wieder andere sind technisch geprägt. Dabei kann man sich mit Apps und Softwares weiterhelfen oder aber in die Werkstatt fahren um dort mehr über den Wagen herauszufinden. Am besten ist, man geht dabei detektivisch gründlich Schritt für Schritt vor. Lasst und also Sherlock Holmes spielen…

In den kommenden Absätzen verraten wir euch wie ihr Tachomanipulation erkennen könnt und geben euch wertvolle Tipps, die ihr unbedingt wissen solltet. Viel Spaß also beim Lesen!

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Tachomanipulation ist zwar kein Hexenwerk, aber hat (zum Glück) viele Tücken

Bei Tachos früherer Generationen reichte es, wenn man mit dem Wagen ein paar Stunden rückwärts fuhr oder eine Bohrmaschine an die Tacho Kurbelwelle anschloss. Auf einfache Art und Weise konnte so der Tachostand nach unten korrigiert werden. Heutzutage sind Fahrzeuge rollende Computer und man muss sich schon sehr sehr gut auskennen, um die perfekte Tachomanipulation vorzunehmen. Aber es ist wie bei einem Kriminalfall … es  werden Fehler gemacht, durch die man den Täter dingfest machen kann. Für uns geht es darum, genau diese Fehler aufzudecken. 

1. Indiz: Der Allgemeinzustand des Fahrzeugs

Tachostände gehen mit dem Alter und Zustand des Fahrzeugs einher. Ist ein Wagen laut Tacho 60.000 km gelaufen, sollte dies auch der allgemeine Zustand des Wagens unterstreichen. Abgenutzte Sitze, spröde und rissige Armaturenbretter, verschlissene Teppiche etc. lassen eher auf ein älteres Fahrzeug schließen. UV Licht setzt Kunststoff übel zu und so werden Kunststoffteile oft grau und matt. Oder aber die enthaltenen Weichmacher verfliegen mit der Zeit und die Oberfläche kann spröde und rissig werden. All dies sind Anzeichen für ein älteres Fahrzeug. 

2. Indiz: Das Scheckheft

Lasst euch bei einem Gebrauchtwagenkauf unbedingt das Scheckheft vorlegen. Hierin sind alle Service- und Wartungsarbeiten vermerkt. Das Heft sollte lückenlos geführt sein. Bei jedem Eintrag wird auch der Kilometerstand vermerkt. Kann ein Verkäufer das Scheckheft nicht vorlegen, wäre das schon mal ein Warnsignal. 

Extra-Tipp: Achtet auch auf die Stempel der Werkstatt und die Unterschriften des Mechanikers. Über die Jahre sollte der Abdruck des Stempels immer etwas anders aussehen, da die Stempelfarbe mal stärker und mal schwächer ist. Sieht hingegen der Stempel bei allen Einträgen irgendwie gleich aus, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die Einträge gefälscht sind und hintereinander gemacht wurden. Gleiches gilt für die Unterschrift. Kein Mensch hat über die Jahre die exakt selbe Unterschrift (und denselben Stift). 

3. Indiz: TÜV-Hauptuntersuchung und Abgassonderuntersuchungs Protokolle

Genau wie das Scheckheft sollte euch der Verkäufer auch diese Berichte vorlegen können. Hier findet ihr nämlich ebenso den Kilometerstand zum Zeitpunkt der Prüfung und könnt daraus vielleicht weitere Schlüsse ziehen und hochrechnen. Hier ist eure Kombinationsgabe gefragt, junge Sherlocks. 

Beispiel: Der Wagen wurde im Juli 2017 zum ersten Mal zugelassen. Der aktuell angegebene Tachostand soll angeblich 65.000 km betragen. Im Juni 2019 fand eine Abgasuntersuchung statt und das Protokoll besagt, dass der Kilometerstand zu diesem Zeitpunkt 55.000 km betrug. Nun muss man sich die Frage stellen, warum der Wagen angeblich vorher in zwei Jahren 55.000 km gefahren ist (also rund 27.000 km pro Jahr) und plötzlich im letzten Jahr nur noch 10.000 km! Es kann natürlich dafür Erklärungen geben, aber achtet auf die Reaktion des Verkäufers, wenn ihr ihn mit einem solchen Fakt konfrontiert.

4. Indiz: Der Ölwechsel Aufkleber oder Anhänger im Motorraum

Obwohl heute alles digital ist, hat es sich eingebürgert, einen Hinweis auf den nächsten Ölwechsel im Motorraum zu platzieren. Dies ist meist ein kleiner Aufkleber oder Anhänger, auf dem der Kilometerstand für den nächsten Ölwechsel vermerkt wird. 

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Auch hier ein Beispiel: Je nach Fahrzeugtyp sind Ölwechsel alle 15.000 bis 40.000 km fällig. Angenommen bei dem Wagen, der euch interessiert sind es 20.000. Auf dem Tacho stehen 45.000 km und auf dem Aufkleber wird der nächste Ölwechsel bei 75.000 km empfohlen. Wo ist hier der Haken? Ihr habt es sicher schnell erkannt … hier stimmt etwas nicht. Zwischen dem Tachostand und dem Ölwechsel sind hier 30.000 km Differenz. Da 75.000 km empfohlen wurde, kann man davon ausgehen, dass der Wagen also mindestens 55.000 km Laufleistung hat, aber eher auch mehr … durchaus auch 75.000 km (und der Ölwechsel wäre genau jetzt fällig gewesen). 

5. Indiz: Die Reifen

Als guter Detektiv sucht man auch an ungewöhnlichen Stellen nach Beweisen und so landen wir bei den Reifen. Auch hier kann man fündig werden. Auf jedem Reifen ist eine DOT Nummer vermerkt. Diese besteht aus vier Ziffern. Die ersten beiden bezeichnen die Kalenderwoche, in der der Reifen hergestellt wurde und die beiden hinteren Ziffern bezeichnen das Jahr. Wenn man nun davon ausgeht, dass Reifen so rund 30.000 km halten, können die Reifen – am ehesten bei jüngeren Fahrzeugen – interessante Hinweise liefern. 

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Auch hier ein konkretes Beispiel zum besseren Verständnis: Der Wagen, der euch interessiert wurde im August 2019 zugelassen (somit müssten die Reifen, wenn es noch die Ersten sind, ungefähr aus Juni 19 oder so sein) und hat angeblich eine Laufleistung von 25.000 km. Ihr schaut euch die Reifen an. Warum steht hier 4519 – also Produktion im November 2019? Kann man hieraus schließen, dass vermutlich mehr gefahren wurde und daher die Reifen schon einmal ausgewechselt werden mussten? Eine Rückfrage beim Verkäufer dazu kann zumindest nicht schaden. Achtet darauf, wie er reagiert.

6. Indiz: Technische Prüfung per App

Man soll sich ja das beste bis zum Schluss aufheben, um so seinen großen Auftritt gegenüber dem Verkäufer zu haben und den Schwindel aufzudecken. So haben es alle großen Detektive – von Hercule Poirot bis hin zu Miss Marple immer gepflegt. Also machen wir das auch so!

Wir waren also zunächst einmal auf der Suche nach einer technischen Lösung, um eine Tachomanipulation zu erkennen. Das war gar nicht so einfach, denn es gibt da nicht so viel. Umso glücklicher waren wir, als wir die Carly App fanden. Ein wirklich beeindruckendes Stückchen Technik in Form einer App für das Smartphone bzw. Tablet. Und der Hammer ist, was die App sonst noch so kann … aber dazu später mehr. 

Jetzt geht es erst einmal darum, Betrügereien in Bezug auf Tachomanipulation aufzudecken. Hierzu muss man natürlich die App (über den OBD-2 Adapter von Carly) zunächst einmal mit dem betreffenden Fahrzeug verbinden. Sollte euch hier der Verkäufer seine Zustimmung verweigern, deutet dies sehr eindeutig darauf hin, dass er etwas zu verbergen hat und ihr definitiv die Finger von dem Wagen lassen solltet. Stimmt er jedoch zu, kann die Carly App ihre Arbeit machen. 

Hierzu sollte man wissen, dass in einem Fahrzeug bis zu 100 Steuergeräte verbaut sind. Jedes dieser Steuergeräte ist für eine spezifische Aufgabe zuständig – das eine für die Zentralverriegelung, ein anderes für die Wartungsintervalle oder die Benzineinspritzung. Man sollte ebenfalls wissen, dass der Kilometerstand nicht etwa nur in dem Steuergerät für den Tachometer abgespeichert wird, sondern in vielen weiteren Systemen auch. Somit finden sich auch Spuren des Kilometerstandes im System für die Zentralverriegelung, der Klimaautomatik und den Wartungen. Und hier kann die Carly App ihre volle Arbeit entfalten. Sie geht die Steuergeräte nacheinander durch und sucht nach Unstimmigkeiten. 

tachomanipulation durch handy app aufdecken

Haben die Betrüger ein Steuergerät übersehen? Passt der Kilometerstand zu den Betriebsstunden des Fahrzeugs? Sind alle Daten schlüssig? Am Ende wirft die App einen Bericht aus und weist auf Ungereimtheiten hin. Spätestens jetzt könnt ihr sicher sein, dass der Tachostand entweder echt ist oder an ihm manipuliert wurde. 

Die Carly App kann aber – wie oben bereits angekündigt – noch viel mehr. Da ihr sie nun eh schon habt, könnt ihr auch gleich mal die anderen Funktionen an eurem eigenen Wagen ausprobieren. Allem voran ist hier natürlich das Codieren zu nennen. Darunter versteht man das Festlegen eurer persönlicher Einstellungen zu sehr vielen Fahrzeugfunktionen. Ihr könnt je nach Modell und Baujahr bis zu mehrere hundert Einstellungen machen wie z.B. wie oft der Scheibenwischer bei Kurzbetätigung wischen soll oder ob ihr neben dem klassischen Tacho auch eine digitale Anzeige wünscht und und und. Ihr könnt auch eine Einstellung machen, dass die Start-Stopp Automatik dauerhaft abgeschaltet bleibt und ihr dies nicht bei jedem Neustart manuell abstellen müsst. 

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Mit der Carly App könnt ihr aber auch Fehlercodes auslesen, Echtzeitdaten des Wagens im laufenden Betrieb abrufen, Wartungen selbst durchführen, eine neue Batterie am Fahrzeug registrieren, Infos zur allgemeinen “Fahrzeuggesundheit” erhalten und einige Dinge mehr. Informiert euch jedoch vor dem Kauf welche Funktionen für euer Auto und Modell verfügbar sind. Denn nicht jedes Auto kann alle Funktionen abrufen.

Der Fall ist abgeschlossen

Und wieder einmal konntet ihr einen Fall erfolgreich abschließen. Dieses Mal ging es um das Erkennen einer möglichen Tachomanipulation. Bedenkt man, dass bei rund einem Drittel aller Gebrauchtwagen in Deutschland am Tacho gedreht wurde, ist es nicht verwunderlich, dass man das Bedürfnis hat, das Fahrzeug auf Herz und Nieren zu checken. Neben den fünf klassischen Varianten der Überprüfung, gibt es auch eine hochmoderne, technische Möglichkeit. Die Carly App prüft die Steuergeräte des betreffenden Fahrzeugs auf Widersprüchlichkeiten und zeigt Abweichungen an. Wenn ihr alle sechs Prüfungen durchführt, seid ihr in jedem Fall auf der sicheren Seite. Lasst euch bitte nicht übers Ohr hauen.