Gibt es eine App zum Nachweisen von Tachomanipulation?

Tachomanipulation passiert jeden Tag und ist ein lukratives Geschäft für Verkäufer und den, der das Auto manipuliert. Meist sind es echte Profis, die dabei am Werk sind. Deshalb ist es nur schwer die Tachomanipulation bei einem KFZ nachzuweisen. Aber gibt es denn eine App dafür, die euch dabei helfen könnte nicht ein Opfer von Tachomanipulation zu werden? Wir klären euch auf!

Also, gibt es eine App zum Nachweisen von Tachomanipulation? Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so einfach. Man müsste also antworten: Ja und Nein. Ja, weil die Carly App im Rahmen ihrer Funktion zum Gebrauchtwagencheck viele verschiedene Steuergeräte des Fahrzeugs abfragt und bei schlampiger Arbeit des Manipulierers auf diese Weise eine Tachomanipulation erkennen würde. Nein, weil ein wirklicher Profi sicherlich so gründlich arbeiten würde, dass auch die Carly App Probleme hätte, die Manipulation festzustellen.

In den nächsten Absätzen zeigen wir euch wie Tacho Manipulierer vorgehen und was ihr dagegen machen könnt.

Der Kilometerstand wird in vielen Steuergeräten gespeichert

In einem modernen Fahrzeug sind durchaus mehr als 100 Steuergeräte verbaut. Jedes hat eine spezifische Aufgabe. Ein Steuergerät ist z.B. für die Klimaanlagensteuerung verantwortlich, ein anderes für die Schließanlage und wieder eins für die Service- und Wartungsintervalle. Alle drei gerade hier genannten Systemen ist gemein, dass sie den Kilometerstand speichern. Ja, auch die Klimaanlage! Und ja, auch die Schließanlage. 

Die Schließanlage ist nämlich mit der automatischen Wegfahrsperre verbunden und diese wiederum mit der Fahrleistung des Wagens. Die Klimaanlage läuft ja praktisch immer und daher sind Daten wie die Betriebsstunden der Klimaanlage im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern relevant. Wie man sieht, hängt alles irgendwie zusammen und macht es so nicht ganz so einfach, eine durchgängige Manipulation hinzubekommen. 

Ein Profi im Bereich der Tachomanipulation weiß das natürlich und wird versuchen, alle Systeme gleichermaßen anzupassen, sodass ein Schwindel nicht auffallen kann. Ist jedoch ein Amateur am Werk, ist die Chance sehr groß, dass er eines dieser Systeme übersieht und Carly ihm so schnell auf die Schliche kommen wird. 

Aber auch Profis “erwischen” nicht immer alle Daten und Steuergeräte, da jeder Hersteller hier auch andere Standards hat. Der eine Hersteller speichert den Kilometerstand vielleicht in einem Steuergerät, an das man nicht so schnell denken würde, ein anderer hingegen macht dies nicht. 

Es gibt aber auch noch viele andere Wege, um den wahren Tachostand zu ermitteln

Mit der Carly App habt ihr bereits eine sehr große Chance, einer Tachomanipulation auf den Grund zu gehen. Es gibt aber auch noch einige andere Mittel und Wege, um den tatsächlichen Kilometerstand herauszufinden. Diese möchten wir euch nachfolgend einmal aufzeigen:

Allgemeinzustand des Wagens

Ein Fahrzeug, das angeblich erst 50.000 km gelaufen ist, sollte auch sonst noch in einem guten Zustand sein. Hat das Auto hingegen abgewetzte Sitzpolster, verkratzte Armaturen, ein abgenutztes Lenkrad oder sieht sonst eher “verbraucht” aus, solltet ihr stutzig werden. Selbst wenn der Besitzer den Wagen nicht gut gepflegt hat, kann das Auto bei so geringer Laufleistung einfach noch nicht so verbraucht sein. 

Tachomanipulation erkennen Gebrauchtwagen

Aufkleber / Anhänger zum Ölwechsel

Die Angaben zum Ölwechsel variieren stark – je nach Fahrzeughersteller und Modell. Alles zwischen 10.000 und 40.000 km ist normal. Wie kann der Aufkleber da helfen? Nun, er kann bei größeren Abweichungen aufschlussreich sein. Hier ein Beispiel: Bei dem Gebrauchtwagen, für den ihr euch interessiert ist, laut Bedienerhandbuch ein Ölwechsel alle 30.000 km fällig. Der Tachostand beträgt angeblich 80.000 km. Auf dem Ölwechsel Aufkleber wird der nächste Ölwechsel bei 120.000 km empfohlen. Hier stimmt etwas nicht. Selbst wenn gerade erst ein Ölwechsel gemacht worden wäre, müsste auf dem Aufkleber maximal 110.000 km stehen. Da hier aber 120.000 km steht, ist davon auszugehen, dass der Wagen mindestens schon 90.000 km auf dem Buckel hat. 

Reparatur- und Wartungsrechnungen

Lasst euch alle Rechnungen vorlegen. Auf diesen ist immer auch der Kilometerstand vermerkt. Kann der Verkäufer keine Rechnungen vorlegen, ist Vorsicht geboten. Jeder seriöse Verkäufer hat diese sicherlich aufbewahrt und kann sie zeigen. Gleiches gilt, wenn der Wagen zuvor mit einer Tankkarte genutzt wurde. Auf allen Tankbelegen steht auch der Kilometerstand.

Vorbesitzer

In der Zulassungsbescheinigung Teil II sind die Vorbesitzer des Fahrzeugs eingetragen. Versucht diese doch einfach einmal zu erreichen und fragt nach, bei welchem Kilometerstand diese jeweils das Fahrzeug verkauft haben. 

Übrigens: Ein Händler ist verpflichtet euch mitzuteilen, wenn er das Fahrzeug bei einem sogenannten “fliegenden Zwischenhändler” gekauft hat, der nicht in der Zulassungsbescheinigung erwähnt wird. Tut er dies nicht, kann der Kauf angefochten werden.

Service- oder Scheckheft plus AU- und TÜV-Berichte

Ein ordentlich geführtes Fahrzeug sollte über ein lückenloses Serviceheft verfügen. In diesem sind alle Wartungen und Reparaturen vermerkt – jeweils mit dem Kilometerstand. Das Serviceheft sollte in jedem Fall vorliegen bzw. gibt Grund zum Misstrauen, wenn es nicht vorgezeigt werden kann. Aber auch ein vermeintlich gut geführtes Serviceheft könnte manipuliert sein. Achtet daher darauf, ob z.B. die Stempelfarbe des Werkstattstempels unterschiedlich intensiv ist. Über die Jahre wäre es nämlich höchst unwahrscheinlich, wenn dem so ist. Ist umgekehrt betrachtet die Stempelfarbe bei allen Einträgen immer gleich stark, könnte dies darauf schließen, dass alle Einträge hintereinander gemacht wurden und somit gefälscht sind. 

Reifen (bei Fahrzeugen bis ca. 30.000 km Laufleistung)

Wollt ihr ein jüngeres Fahrzeug mit weniger als 30.000 km auf dem Tacho kaufen, können auch die Reifen Aufschluss über das Alter geben. Auf jedem Reifen ist eine DOT-Nummer aufgedruckt, an der man das Herstellungsdatum des Reifens erkennen kann. Es handelt sich um eine vierstellige Zahl. Die ersten beiden Ziffern bezeichnen die Kalenderwoche der Herstellung und die dritte und vierte Ziffer das Herstellungsjahr. Bei einem Fahrzeug mit angeblich nur 30.000 km Laufleistung, sollten noch die ersten Reifen vorhanden sein. Ist der Wagen Baujahr 2018 und die Reifen Baujahr 2019 stimmt hier etwas nicht. Wieso sollten die Reifen neuer sein, als der Wagen – außer die Laufleistung ist höher und es mussten bereits die Reifen gewechselt werden.

Auch Statistik kann helfen

Laut Statistik beträgt in Deutschland die durchschnittliche Fahrleistung 15.000 km pro Jahr. Möchtet ihr also ein 5 Jahre altes Auto kaufen welches angeblich nur 50.000 km gelaufen ist (statt 75.000 wie die Statistik besagen würde) solltet ihr einmal nachfragen, warum das Auto nur so wenig gefahren wurde.

Tachomanipulation lohnt sich

Man muss sich einmal vor Augen führen, dass in Deutschland bei bis zu einem Drittel aller Fahrzeuge der Tachometer manipuliert wurde … und das aus gutem Grund. Es ist nämlich ungeheuer lukrativ. Hier eine erschreckende Berechnung dazu: In Deutschland werden pro Jahr 7 Millionen Gebrauchtwagen verkauft. Davon 30% ergibt 2,3 Millionen Wagen. Durch eine Tachometer-Manipulation können durchschnittlich 3.000 Euro mehr für die Fahrzeuge realisiert werden. Das macht somit, schlappe 7.000.000.000 (Milliarden!) Euro Mehrgewinn für die Verkäufer. 

Tachomanipulation App erkennen

Seid also stets auf der Hut. Achtet auf alle Indizien, die eventuell auf eine Tachomanipulation hinweisen könnten. Eine der wichtigsten Schritte dabei ist sicherlich der Einsatz der Carly App. Durch die sehr gründliche Analyse der Fahrzeugdaten aus vielen verschiedenen Steuergeräten ist die Chance sehr hoch, dass eine Manipulation aufgedeckt wird. 

Falls ihr schon auf einen Betrüger reingefallen seid …

Solltet ihr bereits auf eine Tachomanipulation hereingefallen sein, habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Dabei kommt es aber in erster Linie auf die genauen Formulierungen im Kaufvertrag an und ob ihr den Wagen bei einem gewerblichen Verkäufer oder privat gekauft habt. In der Regel habt ihr aber stets das Recht auf Nachbesserung des Mangels. Das wird bei einem Gebrauchtwagen meist schwierig. Daher könnt ihr ggf. vom Vertrag zurücktreten, Schadensersatz verlangen bzw. eine Minderung des Kaufpreises verlangen. Oftmals müsst ihr allerdings dazu einen Anwalt einschalten, da die wenigsten Verkäufer einfach so auf eure Forderungen eingehen werden. 

Übrigens: Der Verkauf und Besitz von Geräten zur Manipulation eines Tachos ist in Deutschland legal. Die Manipulation als solche ist strafbar und wird mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet. Lügt der Verkäufer euch an, ist dies Betrug und kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. 

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