Was passiert, wenn ein Baum auf mein Auto fällt?

Gerade in Deutschland verursachen heftige Unwetter immer wieder schwere Sturmschäden in bestimmten Regionen. Nicht selten werden dadurch Fahrzeuge komplett demoliert. Da die meisten selbst in so einem Gebiet wohnen, könnte es uns auch passieren, dass beim nächsten größeren Unwetter ein Baum auf das Auto fällt. 

Daher wird das Thema öfter angesprochen und über die Frage „was passiert, wenn ein Baum auf mein Auto fällt“ regelmäßig diskutiert. 

Genau aus diesem Grund haben wir gründlich recherchiert. Folgende Dinge solltet ihr sofort in die Wege leiten:

  • Fotodokumentation von Fahrzeugschäden und dem Ort des Geschehens
  • Versicherung informieren, telefonisch oder per Mail
  • Persönliche Daten von Zeugen (falls vorhanden) notieren
  • Vorerst nicht eigenständig Reparatur in die Wege leiten

Von der Vorbeugung und richtigem Verhalten bei Wind und Wetter, über den Schaden bis hin zur Regulierung in diesem Artikel wird alles über das Thema „Sturmschaden am Auto“ genau erläutert.

Baum fällt aufs Auto – wer ist dafür zuständig?

Grundsätzlich sollte eure Kaskoversicherung einspringen, wenn ein Baum aufgrund höherer Naturgewalten, wie bei Sturmböen, auf euer Auto gelandet ist. Sollte euer Fahrzeug lediglich über eine Haftpflichtversicherung verfügen, sieht es nicht gut aus und ihr bleibt meistens selbst auf den Kosten sitzen. Doch auch bei einer Teilkaskoversicherung werden nicht unbedingt alle Sturmschäden übernommen.

Ist das Unglück auf einem privaten Gelände passiert, muss der Grundstücksbesitzer den Schaden begleichen. Hier kommt es darauf an, ob der besagte Baum gesund war (dann wird bei starkem Sturm von höherer Gewalt ausgegangen, der Besitzer ist also aus dem Schneider) oder ob der Baum schon vorher etwas marode war. In diesem Fall übernimmt dann die Privat-, Haus- oder Grundhaftpflichtversicherung den Schaden. Wenn diese Police jedoch nicht abgeschlossen wurde, muss der Grundstücksbesitzer aus eigener Tasche zahlen.

Wer genau haftet bzw. bis zu welchem Anteil die Schäden übernommen werden, müsst ihr vorerst nicht im Detail wissen, denn normalerweise hilft euch eure Versicherung bei dem ganzen Prozedere. Deswegen gilt es als allererstes, alle Schäden am Fahrzeug zu dokumentieren, damit ihr diese dann nachweisen könnt. Am besten in Form von Fotos, die ihr vom beschädigten Fahrzeug direkt, aber auch von der Umgebung des Geschehens schießt, so kann die Versicherung Unwetterfolgen besser nachvollziehen.

Bei den meisten Versicherungsträgern könnt ihr außerhalb der Bürozeiten Schadenformulare online ausfüllen. Ansonsten am besten telefonisch oder per Mail. Ihr solltet eure Versicherung auf jeden Fall innerhalb einer Woche kontaktieren. Die Versicherung möchte in der Regel Uhrzeit und Unfallort wissen. Falls es Zeugen gibt (Beifahrer, andere Autofahrer), erkundigt euch nach deren Kontaktdaten und gibt diese auch der Versicherung durch.

Nun zum spannenden Teil: Wer zahlt, wenn ein Baum auf mein Auto fällt? Hier kommt es nun darauf an, wie ihr euer Fahrzeug versichert habt. Bei allgemeinen Sturmschäden gelten folgende Leistungen:

Haftpflicht Versicherung

Falls ihr für euer Fahrzeug nur eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen habt, bleibt ihr bei Sturmschäden leider auf den Kosten sitzen. Die Basis Versicherung übernimmt lediglich die Kosten für einen Unfall, der von einem selber verursacht wurde.

Teilkaskoversicherung

Die Teilkaskoversicherung übernimmt in der Regel unmittelbare Sturm- und Hagelschäden am Auto. Hier spielt es keine Rolle, ob das Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt in Betrieb war oder geparkt wurde.

Neben umgefallenen Bäumen und Ästen werden auch folgende Schäden erstattet:

  • Fallende Dachziegel 
  • Herumfliegende Fassadenteile
  • Umgefallene Verkehrszeichen

Die Entschädigungshöhe richtet sich nach den Reparaturkosten oder dem Zeitwert des Autos. Ein Sturmschaden beginnt bei den Versicherungen ab einer Windstärke 8 und bei einer Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 km/h. Als Anhaltspunkt könnt ihr euch merken, dass sich große Bäume sehr stark bewegen und Zweige abbrechen. Weitere Anzeichen sind gelöste Dachziegel oder das selbstständige Öffnen von Fensterläden. 

In folgenden Fällen gelten jedoch Ausnahmen:

  • Wenn ihr trotz einer ausgesprochenen Unwetterwarnung durch ein gefährdetes Gebiet gefahren seid, wird dies als fahrlässig eingestuft. Hier wird der Schaden lediglich erstattet, wenn der Versicherungsschutz grobe Fahrlässigkeit beinhaltet.
  • Des Weiteren werden Fahrzeugschäden nicht erstattet, wenn das Fahrzeug mit bestimmten Gegenständen verbunden ist. Dazu gehört beispielsweise eine fixierte Vorzeltstange, die bei Unwetter den Wohnwagen demoliert.
  • Die Stadt haftet für Schäden durch Straßenschilder, die nicht ordnungsgemäß befestigt wurden. Bei intakten Schildern hingegen muss die Stadt nicht aufkommen, da Schilder für extreme Wetterlagen nicht ausgelegt sind.

Vollkasko

Versicherungstechnisch werden hier die Kosten bei einem sogenannten mittelbaren Sturmschaden übernommen. Wenn also durch einen umgestürzten Baum ein Schaden bei eurem Vordermann entsteht, ihr nicht mehr rechtzeitig anhalten könnt und in dessen Fahrzeug kracht, werden euch die Reparaturkosten erstattet. Darüber hinaus zahlt die Vollkasko Versicherung auch bei einer Windstärke unter 8, wenn ein herabfallender Baumast der Übeltäter war. 

Gut zu wissen

Bei Sturmschäden wird man üblicherweise in der Schadensfreiheitsklasse nicht zurückgestuft und man kann somit den Schadenfreiheitsrabatt behalten. Grundsätzlich gibt es keine Schadenfreiheitsklassen, weil man versicherte Risiken wie Diebstahl, Brand, Glasbruch oder eben Sturmschäden nicht beeinflussen kann. Wenn ihr jedoch gegen einen Baum fährt, der während einem Sturm umgefallen ist, wird die Kfz-Versicherung hochgestuft.

Wie hoch ist die Eigenbeteiligung?

Die Höhe der Selbstbeteiligung richtet sich nach dem abgeschlossenen Vertrag. Eine Zurückstufung setzt einen selbstverschuldeten Schaden voraus. Die Versicherung kann in manchen Situationen Zahlungen verweigern, wenn sie “grob fahrlässiges Verhalten” vermutet, welches zum Schaden geführt hat. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ihr unter einem erkennbar marodem Baum geparkt habt oder während einem Sturm euer Auto an einer offensichtlich gefährlichen Stelle abstellt.

Haftung Behörden?

Wie allgemein im Leben, gibt es auch Spezialfälle, wenn ein Baum auf euer Auto fällt. Besonders falls ihr selber im Besitz von Bäumen bzw. einem Grundstück seit, können folgende Streitentscheidungen für euch von großem Interesse sein:

Wohngebiet

Eine Klägerin verlangte Schadensersatz von der Hausverwaltung einer Wohnanlage, da ihr Auto von einem herabfallendem Ast beschädigt wurde. Laut ihres Gutachters hätte sie Anrecht auf einen Schadensersatz, da die Bäume regelmäßig kontrolliert werden sollten. Das Gericht lehnte jedoch diese Zahlung ab, weil eine regelmäßige Kontrolle lediglich in Städten und Gemeinden durchzuführen ist. Da es sich in diesem Wohngebiet jedoch um Privatleute handelt, ist die Hausverwaltung nicht verpflichtet vorliegende Schäden an Bäumen selbst zu erkennen.

Baum gegen Auto

Weil eine Pappel über Nacht Äste auf ein parkendes Auto geworfen hat, wurde die Stadt vom Fahrzeugbesitzer auf Schadensersatz verklagt. Allgemein sind Behörden verpflichtet, mögliche Gefahren von Bäumen zu vermeiden. 

In der Vorinstanz bekam der Kläger Recht, da Pappeln eine ständige Gefahrenquelle darstellen und daher an Parkplätzen nichts zu suchen haben. In letzter Instanz wurde die Klage jedoch am Bundesgerichtshof abgewiesen. Der Richter hat die Ablehnung mit folgendem Argument begründet: „Bei Pappeln oder ähnlichen Weichhölzern wie zum Beispiel Kastanien, ist ein gelegentliches Abfallen der Äste jedoch normal“. 

Diese Fälle sind klassische Beispiele dafür, dass jede Situation individuell gehandhabt werden kann. Fest steht, dass die Bäume in regelmäßigen Abständen von Fachmännern gepflegt und kontrolliert werden sollten. Somit ist eine Vorbeugung von Sach- und Personenschäden größtenteils gewährleistet. Daher raten besonders Versicherungen, sich im Falle von Uneinigkeiten an ausgebildete Baum-Gutachter zu wenden. 

Side view of black car driving on road in forest highway in summer. Travel and explore concept.

Tipps zur sicheren Fahrweise bei Schlechtwetter

Wenn eine Schlechtwetterfront angekündigt wird, solltet ihr unbedingt den Wetterdienst verfolgen. Bei Sturm-Prognose (Windstärke 8) empfiehlt es sich, auf nicht dringend notwendige Fahrten zu verzichten. Wenn dies nicht möglich ist, solltet ihr versuchen eure Route abzuändern und das Unwetter weitgehend umfahren. Hier sollt ihr trotzdem vorausschauend fahren, um böse Überraschungen zu vermeiden. Im Folgenden geben wir weitere Ratschläge, die während der Fahrt durch ein Unwettergebiet sehr hilfreich sind:

  • Geschwindigkeit reduzieren und defensiv fahren, so könnt ihr besser und schneller reagieren bzw. gegenlenken, wenn euch eine Windböe entgegenkommen sollte. 
  • Waldstrecken vermeiden: Versucht Gebiete mit vielen Bäumen zu umfahren – besonders wenn eine Sturmwarnung vom Wetterdienst ausgesprochen wurde. 
  • Vorsicht bei Brücken: Hier besteht eine große Gefahr, seitlich von starken Windböen erfasst zu werden. Achtet deshalb vermehrt auf angebrachte Windsäcke und Hinweisschilder. Das kann euch die Einschätzung bezüglich Blick und Lage um einiges erleichtern.
  • Achtung bei Bussen, LKW’s und Wohnmobilen: Vor diesen größeren Fahrzeugen solltet ihr unbedingt extra viel Abstand nehmen und vorausschauend fahren. Der dabei entstehende Seitenwind kann im schlimmsten Fall das Auto umkippen. Beim Überholen dieser Fahrzeuge fährt man anfangs in dessen Windschatten, aus diesem Grund wird man anschließend direkt vom Seitenwind erfasst und das kann euer Auto gewaltig  aus der Spur bringen.
  • Demontage von Dachlasten: Entfernt befestigte Fahrräder und Skiboxen von eurem  Fahrzeugdach. Diese verstärken nämlich nur die Wirkung des Windes, da sie eine größere Aufprallfläche bieten. 
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