Wie erkenne ich, ob mein Auto Euro 4 hat?

Zurzeit beherrschen die Themen CO2 Ausstoß und Fahrverbote die Medienlandschaft. Durch das Urteil, dass Fahrverbote in Städten prinzipiell zulässig sind, sind viele Fahrzeughalter zunehmend verunsichert.

So ging es auch uns. Denn unser kleiner roter Flitzer fährt nun über 7 Jahre. Doch wie und wo darf er das in Zukunft noch? 

Einen Grundsatz, den man hierfür immer wieder hört, ist: Wenn ihr eine grüne Plakette mit mindestens Euro 4 habt, braucht ihr euch keine Sorge haben, da seid ihr nicht betroffen. Doch stimmt das auch? Und wie erkenne ich ob mein Auto Euro 4 hat? 

Also, wie erkenne ich ob mein Auto Euro 4 hat? Die Euronorm eures Fahrzeugs findet ihr in Feld 14 eurer Zulassungsbescheinigung. Diese lässt sich aber auch anhand der Schadstoffnummer bestimmen. Während man die Euro 1 bis 3 noch an den verschiedenen Farben der Plakette ablesen kann, gibt es bei Euro 4 bis 6 keine farbliche Unterscheidung mehr.

Leider stimmt die Aussage, dass man mit einer grünen Plakette keine Probleme hat, nicht ganz. Denn auch Diesel mit der Euronorm 4 sind in manchen Städten von den Fahrverboten betroffen. Mittlerweile wurden die Fahrverbote sogar auf ältere Benziner ausgeweitet. 

Da das ganze Thema derzeit noch sehr undurchsichtig ist und sich viele Fahrzeughalter fragen, ob sie von den Fahrverboten betroffen sind, bringen wir im folgenden Beitrag endlich Licht ins Dunkle.

Wir erklären euch was die Euronorm mit der Schadstoffklasse und die wiederum mit der Farbe der Plakette zu tun hat. 

Des Weiteren findet ihr im folgenden Text heraus, ob ihr von den Fahrverboten betroffen seid und in welchen Städten bereits Fahrverbote eingeführt wurden.

Grün, Gelb, Rot, Blau – welche Plakette entspricht welcher Euronorm?

Zuerst einmal kommen wir zu den verschiedenen Schadstoffplaketten.

Je nach Schadstoffklasse erhalten die Fahrzeuge in Deutschland eine Plakette. Diese beeinflusst auch die Höhe der KFZ-Steuer.

Doch die Schadstoffklasse hat dabei nur indirekt etwas mit der Euronorm (europäische Abgasnorm) zu tun. Denn die Vergabe der Plakette ist im Gegensatz zur Euronorm auf Bundesebene geregelt.

Grüne Plakette

Die grüne Plakette ist dabei die derzeit beste Plakette. Diese Plakette erhalten Fahrzeuge, die mindestens der Euronorm 4 oder der Euronorm 3 mit Partikelfilter entsprechen. 

Das bedeutet, dass auch Fahrzeuge der Euronorm 5 oder 6 mit einer grünen Plakette gekennzeichnet werden.

Fahrzeuge mit einer grünen Plakette sind derzeit in allen Stadtbezirken zugelassen – es sei denn es handelt sich um Straßen oder Bezirke mit generellen Fahrverboten. Und diese sind gar nicht mehr so selten (mehr dazu im folgenden Text).

Blaue Plakette

Zudem steht derzeit zur Diskussion, ob auch bald eine blaue Plakette für besonders umweltfreundliche Fahrzeuge ab der Euro 6 kommen könnte. Diese würde dann auch „saubere“ Diesel mit der neuesten Euronorm 6d-TEMP kennzeichnen.

Gelbe Plakette

Die gelbe Plakette dagegen ist die derzeit zweitbeste Kennzeichnung bezüglich der Abgasnorm. Diese Plakette erhalten Fahrzeuge, die der Abgasnorm Euro 3 oder 2 mit Partikelfilter entsprechen.

Rote Plakette

Die rote Plakette ist die schlechteste der möglichen Plaketten Kennzeichnungen. Sie wird an Fahrzeuge der Euronorm 2 oder Euronorm 1 mit Partikelfiltern vergeben.

Keine Plakette

Fahrzeuge der Euronorm 1 oder schlechter gehen leer aus, denn für sie gibt es gar keine Plakette.

Was enthält die Euronorm?

Die Euronorm, auch als europäische Abgasnorm bezeichnet, legt die Grenzwerte für den Ausstoß von Schadstoffen für Kraftfahrzeuge fest. 

Genau genommen gelten diese Grenzwerte für Kohlenstoffmonoxide, Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe und die Partikelmasse. 

Aktuelle Euronorm Klassen

Derzeit werden die Fahrzeuge in die Klassen 1 bis 6d-TEMP eingeteilt.

Bis Ende August durften noch Fahrzeuge der Euronorm 6c verkauft werden. Ab dem 01. September 2019 bis voraussichtlich 31.12.2020 allerdings dürfen nur noch Neuwagen mit der Euronorm 6d-TEMP verkauft werden.

Der nächste Schritt zu mehr Sauberkeit: Die Euronorm 6d

Nach der Euronorm 6d-TEMP wartet dann die Euronorm 6d, die für Neuzulassungen ab dem 01.01.2021 vorgeschrieben ist.

Falls ihr euch beim Neuwagenkauf nicht sicher sind, welche Autohersteller schon vor der gesetzlichen Frist Fahrzeuge mit der neuesten Euronorm anbieten, könnt ihr das anhand der im Internet verfügbaren Listen herausfinden.

Drohen Fahrverbote für saubere Diesel?

Zurzeit sind vor allem Diesel der Euronorm 1 bis 4 von den Fahrverboten betroffen. Ob auch die nächsten Schadstoffklassen bald davon betroffen sind, kann man derzeit leider nicht genau sagen.

Fahrverbote für Euro 5 Diesel

Die Fahrer der Dieselfahrzeuge mit der Euronorm 5 werden aber wohl langsam weiche Knie bekommen. Denn in Hamburg gilt das Fahrverbot ebenfalls für Dieselfahrzeuge mit der Klasse Euro 5.

Was andere Städte betrifft, kann man zurzeit noch nicht absehen, wie es sich entwickeln wird. Außer in Hamburg bleiben die Euro 5 Diesel bisher noch von Fahrverboten verschont.

In Frankfurt am Main oder Berlin allerdings könnte es bei anhaltend hoher Luftverschmutzung bald zu Fahrverbote für Euro 5 Dieselfahrzeuge kommen.

Eine sichere Antwort auf die gestellte Frage, die auch in zwei Jahren noch korrekt ist, gibt es aber zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht.

Was sind saubere Diesel?

Als saubere Diesel werden aktuell alle Diesel ab der Abgasnorm Euro 6 bezeichnet. 

Sie heißen saubere Diesel, weil sie sehr viel weniger Schadstoffe ausstoßen, als die Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 1 bis 5.

ADAC: Moderne Diesel sind sauber

Laut dem ADAC stoßen Euro-6d-TEMP Diesel durchschnittlichen etwa 76 Prozent weniger Stickoxide aus als Diesel mit der Abgasnorm Euro 6b.

Diese hohe Reduktion der Schadstoffe kann, Stichproben zufolge, die Gesamtbelastung auf den Straßen um 95 bis 99 Prozent reduzieren.

Gelten die Fahrverbote auch für Benziner?

Viele Fahrer von Benzinfahrzeugen werden bei dieser Frage wohl stutzig, denn man hört ja vor allem von Dieselfahrverboten. Da stellt man sich doch die Frage: Gelten die Fahrverbote auch für Benziner?

Diesel Fahrverbot Stadt

Also, gelten die Fahrverbote auch für Benziner? Die Fahrverbote für Benziner gelten derzeit in 4 verschiedenen Städten mit hoher Schadstoffbelastung. Genauer gesagt gelten sie in:

  • Bonn: Benziner mit Euro 1 und 2
  • Darmstadt: Benziner mit Euro 1 und 2
  • Essen: Benziner mit Euro 1 bis 3
  • Köln: Benziner mit Euro 1 und 2
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Die klare Antwort ist also: Ja! Doch bisher wurden die Fahrverbote für Benziner erst in wenigen Städten eingeführt.

Hiervon sind vor allem ältere Benziner betroffen. Die Liebhaber vieler alter Limousinen aus den 1980er und 1990er Jahren werden jetzt wohl aufstöhnen. Denn diese Schmuckstücke liegen meist unter der relevanten Grenze der Euro 3. 

Welche Städte haben bereits Fahrverbote und wo drohen sie?

Im Folgenden erfahrt ihr, in welchen Städte bereits Fahrverbot drohen und welche Städte bereits Fahrverbote eingeführt haben. Da sich alle Vorgaben und Bestimmungen je nach Gebiet unterscheiden, haben wir euch das Ganze mal nach Alphabet aufgelistet:

Aachen

Nachdem man ursprünglich bestimmt hatte, dass zum 01. Januar 2019 ein Fahrverbot eingeführt werden sollte, hat man es dann doch vorerst wieder ausgesetzt. Das bedeutet aktuell gibt es kein Fahrverbot in Aachen.

Das Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalens muss nun bestimmen, ob der überarbeitete Luftreinhalteplan und die Sofortmaßnahmen an der Busflotte und spezielle Schadstofffilter genügen.

Berlin

Eigentlich sollte das im Oktober 2018 beschlossene Diesel-Fahrverbot Anfang Oktober in Kraft treten. Doch für die Schilder, deren Sonderanfertigung schon mal das Inkrafttreten verzögerte, wurden bisher einfach keine Aufstellplätze gefunden. 

Ein Fahrverbot gilt jedoch erst ab dem Zeitpunkt, ab dem das Verbotsschild steht. Die Dieselfahrverbote kommen deshalb für manche Straßen erst einige Wochen später als geplant.

Sie betreffen dabei alle Diesel mit der Abgasnorm Euro 5 und älter. Es gilt allerdings die Anlieger-Regelung. Personen, die ein berufliches oder privates Anliegen haben, sind vom Fahrverbot ausgenommen.

Bonn

In Bonn sollte es eigentlich seit dem 1. April in zwei Straßen Fahrverbote geben. In einer davon, der Reuterstraße, würde das Fahrverbot für alle Dieselfahrzeuge von Euro 1 bis Euro 5 gelten. 

In der Straße Belderberg dagegen wurde die Regelung für Dieselfahrzeuge der Euronorm 1 bis 3, aber auch für Benziner der Euronorm 1 und 2 festgelegt.

Da das Land Nordrhein-Westfalen allerdings Berufung eingelegt hat, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Fahrverbote in Bonn.

Darmstadt

In Darmstadt gelten seit Juni 2019 Fahrverbote für die Hügelstraße am City-Tunnel und in der Heinrichstraße

Betroffen hiervon sind Dieselfahrzeuge von Euronorm 1 bis 5 und Benziner mit der Euronorm 1 bis 2. 

Düsseldorf

In Düsseldorf sind durch den im Februar in Kraft getretenen Luftreinhalteplan Fahrverbote weiterhin nicht vorgesehen.

Essen

Da die Schadstoffbelastung im Ballungsgebiet um Essen sehr hoch war, sind neben der 18 Stadtteile auch ein Teil der Autobahn A40 von Fahrverboten betroffen.

Seit 1. Juli 2019 gelten deshalb Fahrverbote für Dieselfahrzeuge der Euronorm 1 bis 4 und Benziner der Euronorm 1 bis 3.

Frankfurt

Die Stadt Frankfurt bemüht sich derzeit darum die Schadstoffwerte durch den Ausbau von Radwegen und des öffentlichen Nahverkehrs zu reduzieren.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bewertet diese Anstrengungen allerdings als ungenügend. Die Einführung eines Fahrverbotes ist derzeit noch nicht entschieden.

Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen gilt seit dem 01. Juli 2019 ein generelles Diesel-Fahrverbot für die Kurt-Schumacher-Straße. Ausnahmen gibt es nur für Gewerbetreibende.

Hamburg

Wusstet ihr, dass Hamburg die erste deutsche Stadt war, in der ein Dieselfahrverbot eingeführt wurde?

Dies betrifft konkret die Max-Brauer-Allee, in der keine Dieselfahrzeuge und LKWs der Euronormen 1 bis 5 einfahren dürfen.

Ausnahmen gelten für Anwohner, deren Besucher, Kunden oder Beschäftigte von ansässigen Büros, Geschäften, Praxen oder Sonstigen. Auch Müllautos, Lieferwagen oder Krankenwagen brauchen sich nicht an das Fahrverbot zu halten.

Die Strafe für Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an das Fahrverbot halten, liegt aktuell bei 20 Euro für PKWs und 75 Euro für LKWs.

Köln

Bis heute wurde in Köln noch kein Fahrverbot verhängt – weder für Diesel, noch Benziner. Denn trotz richterlicher Anordnung entschied sich die Bezirksregierung dagegen. Das Land ging gegen das Urteil in Berufung.

Sollte eines Tages dann doch mal ein Fahrverbot kommen, würde dies wohl erstmal nur die grüne Umweltzone betreffen, die von der Stadt zur Vermeidung eines Fahrverbots eingerichtet wurde. 

Genauer gesagt dürften dann Diesel mit den Euronormen 1 bis 4 sowie Benziner der Euronorm Klassen 1 und 2 nicht mehr in diese Umweltzone fahren. Später könnten auch Diesel mit der Euronorm 5 hinzukommen.

Mainz

Auch in Mainz wurden bis heute keine Fahrverbote verhängt. Die Stadt Mainz versucht durch eine Überarbeitung des Luftreinhalteplans „Green City Mainz“ die Anordnung von Fahrverboten zu verhindern.

Trotzdem behält sich die deutsche Umwelthilfe vor, in einem erneuten Versuch eine gerichtliche Anordnung der Fahrverbote in Mainz zu erreichen.

München

Auch in der bayerischen Metropole München lehnen die Behörden die Einführung eines Diesel Fahrverbots ab. Ihre Begründung liegt bei der enormen Verbesserung der Luftqualität in den letzten beiden Jahren. 

Die bayerischen Behörden sind in großem Maße überzeugt von ihrer Ansicht und nehmen deshalb die hierfür drohenden Strafzahlungen in Kauf.

Stuttgart

Stuttgart ist eine der Städte mit der wohl höchsten Belastung. Aus diesem Grund wurden hier radikale Maßnahmen ergriffen und ein großflächiges Fahrverbot eingeführt. 

Bereits seit dem 1. Januar 2019 gilt ein ganzjähriges Verkehrsverbot in der Umweltzone Stuttgart. Und diese umfasst das ganze Stadtgebiet.

Für wen gilt das Fahrverbot?

Das Fahrverbot gilt hierbei für Dieselfahrzeuge mit der Euronorm 4 und schlechter. Dies betrifft seit dem 1. April auch die Einwohner Stuttgarts. Ihre Fahrzeuge dürfen hierbei weder in der Umweltzone gefahren, noch geparkt werden.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Diese betreffen Handwerker, Lieferanten, Pflegedienste, Kleinstbetriebe, aber auch Menschen im Schichtdienst. Hierbei gibt allgemeine, aber auch Einzel-Ausnahmegenehmigungen. 

Mögliche Erweiterung der Fahrverbote in Sicht

Sollte sich die Luft über Stuttgart nicht bald verbessern, besteht die Möglichkeit, dass auch Diesel mit der Euronorm 5 nicht mehr in das Stadtgebiet fahren dürfen.

Weitere Fragen:

Leider sind die Fahrverbote der Auslöser dafür, dass vor allem ältere Dieselfahrzeuge enorm an Wert verloren haben. Viele Dieselfahrer sind sich unsicher, ob sie noch ein Recht auf Schadensersatz haben und wie hoch die Kosten für eine solche Klage sind.

Die Frage ist: Lohnt sich eine Klage Schadensersatz für einen manipulierten Diesel?

Also, lohnt sich eine Klage Schadensersatz für einen manipulierten Diesel? Ja, sie lohnt sich. Das Recht auf Schadensersatz besteht noch und die Kosten stellen meist kein Problem dar. Diese werden nämlich häufig von den Rechtsschutzversicherungen übernommen. Ist dies nicht der Fall, gibt es die Möglichkeit zur Prozessfinanzierung. Hier fällt nur im Erfolgsfall ein Honorar an.

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Viele Fahrzeughalter von Dieselfahrzeugen fragen sich nun, wie lange sie ihre Fahrzeuge noch fahren können. Sollte man seinen alten Diesel baldmöglichst ersetzen?

Also, sollte man seinen alten Diesel baldmöglichst ersetzen? Nein, nicht zwingend. Die Fahrverbote gelten bisher nur in einigen Städte. Um weitere Fahrverbote zu verhindern, hat der Bund zahlreiche Maßnahmen wie Software-Updates oder Hardware-Nachrüstungen beschlossen. Will man aber doch ein neues Fahrzeug, kann man bereits attraktive Dieselprämien abstauben.

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