Wie stellt man Tachomanipulation fest?

24.10.2020 | Allgemein, Gebrauchtwagen Check

Rund ein Drittel aller in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen weisen einen manipulierten Tacho auf. Dabei verdienen sich die Manipulierer eine goldene Nase während Otto Normalverbraucher oft gar nicht wissen, dass sie über den Tisch gezogen wurden. Wir zeigen euch wie ihr Tachomanipulation bei eurem Auto feststellen könnt.

Also, wie stellt man Tachomanipulation fest? Grundsätzlich gibt es mehrere Methoden. Ihr könnt zum Beispiel einen Check beim ADAC machen, euer Auto auslesen lassen und nachsehen, ob der Kilometerstand in jedem Steuergerät gleich ist, das Service Heft ansehen und auf Unstimmigkeiten überprüfen oder etwas Sherlock Holmes spielen und die vorherigen Besitzer ausfindig machen und sie nach dem Kilometerstand fragen. Das sind nur einige der Wege, die ihr verwenden könnt, um eine Tachomanipulation aufzudecken.

Damit man nicht Teil von dem von Tachomanipulation betroffenen Drittel der Deutschen wird, ist es sinnvoll, sich vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens über eine mögliche Tachomanipulation zu informieren. Es gibt dafür verschiedene Methoden, die wir euch in diesem Artikel näher bringen wollen. Damit ihr das ganze auch verstehen und anwenden könnt, widmen wir uns vorher noch der Frage, wie eine Tachomanipulation überhaupt funktioniert und warum es schwer sein kann, diese aufzudecken.

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Wie funktioniert Tachomanipulation?

Die Zeiten der Tachomanipulation haben sich geändert. Durch die weiter anhaltende Digitalisierung wird immer mehr Technik und Schnickschnack in modernen Autos verbaut. Das bedeutet auch mehr Angriffsfläche für Hacker. Das Problem bei der heutigen Tachomanipulation: man muss kein Hacker sein, um am Kilometerstand zu drehen. 

Alles, was heutzutage benötigt wird, ist ein einfaches Gerät, welches man für unter hundert Euro im Internet erhält. Dabei gibt es kein Verbot seitens der Regierung, diese Geräte nicht kaufen oder verkaufen zu dürfen. Zusätzliche Erleichterung für Betrüger gab es im Jahr 2000, in dem die gesamte Autobranche auf einheitliche Stecker zu den internen Steuergeräten der Autos wechselte. 

Also, kurz gesagt funktioniert eine Manipulation des Tachos wie folgt: Gerät kaufen – mithilfe eines Kabels an das Auto anschließen – gewünschten Tachostand eingeben. Während ihr diesen Text hier lest, könnte man also schon den Tacho eines Autos zurückdrehen. Theoretisch auch vor, aber das bringt ja niemandem was. 

Der Grund, warum es dann doch nicht ganz so einfach ist wie gerade beschrieben, ist wieder die Tatsache der immer besser und immer mehr werdenden Technik in unseren Autos. In euren Autos finden sich unzählige Steuergeräte wieder, die eine optimale Funktion aller Komponenten gewährleisten soll. Um euch eine Vorstellung zu geben, wir reden hier von bis zu 100 Steuergeräten in einem modernen Top-Fahrzeug. Alle diese Steuergeräte haben eine oder mehrere Aufgaben. Sie erfüllen dabei alle dieselben drei Hauptaufgaben: Sie steuern verschiedene Funktionen, überwachen diese und zeichnen auftretende Fehler auf. 

Die letzte Funktion können wir uns zu Nutzen machen, um uns vor Tachomanipulation zu schützen. Es hilft oft wenig, nur zu wissen, wo der Fehler ist. Viel sinnvoller ist es, Kilometerstand und/oder Betriebszeit einzelner Teile aufzuzeichnen, um bei fehlerhaftem Verhalten Rückschlüsse auf mögliche Ursachen zu ziehen. Und hier ist auch das Zauberwort: Kilometerstand. Wir können also damit in verschiedensten Steuergeräten Einblick über den tatsächlichen Kilometerstand erhalten. 

Welche Wege gibt es, eine Tachomanipulation aufzudecken?

Bei einem Gebrauchtwagenkauf kann man sich in keinem Fall zu einhundert Prozent sicher sein, ob der angegebene Kilometerstand auch tatsächlich der Realität entspricht. Jedoch kann man das Risiko so weit einschränken, dass man ohne Bedenken ein Auto kaufen kann. Dazu gibt es eigentlich auch nur zwei Wege. Bevor wir auf den digitalen Weg eingehen, der viel mit dem gerade erworbenen Wissen zu tun hat, gehen wir auf die konventionelle Methode ein, mit der man im Normalfall schon sehr gut dasteht.

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Um sich bestmöglich vor Betrügern zu schützen, sollten potenzielle Käufer so viele Unterlagen wie nur möglich durch Studieren. Dazu zählen Reparatur-Rechnungen oder auch AU und HU Berichte. Im Normalfall sind bei diesen immer die Kilometerstände mit eingetragen. Einige Autobesitzer führen auch ein fein säuberliches Inspektionsheft. Um Überraschungen vorzubeugen, solltet ihr dieses bei Gelegenheit unbedingt durchschauen und auf die Richtigkeit der eingetragenen Daten prüfen. Im Zweifelsfall fragt einfach nach. Auch wenn der Verkäufer das Inspektionsheft nicht von sich aus anbietet, solltet ihr nach diesem fragen. Bei zögerndem oder auffällig unhöflichem Verhalten auf eure Frage solltet ihr direkt etwas vorsichtiger werden, da es ein Indiz für Tachomanipulation sein kann. 

Wege um Tachomanipulation aufzudecken

Nun aber wieder zurück zu handfesten Beweisen. Sofern das Inspektionsheft vorhanden und lückenlos geführt ist, sollte es auch keinen Zweifel an der Richtigkeit dieser Werte geben. Weiters ist es empfehlenswert, einen Gebrauchtwagencheck einzufordern, wenn der Verkäufer keine Gebrauchtwagengarantie vorweisen kann. Solche Untersuchungen werden vom ADAC und von diversen Prüforganisationen angeboten, also nehmt bei Bedarf auch gebrauch von ihnen. Im Zuge solcher Inspektionen wird der allgemeine Zustand des Fahrzeugs beurteilt, was auch in Bezug auf zukünftige Reparaturen von Vorteil sein kann. Unter anderem werden bei diesem Check Innenraum, Motor und Getriebe, Abgas und Bremsanlage, Unterboden als auch Räder und Achsen genauestens untersucht. Da dies von einem Profi gemacht wird, kann man sich auf die Meinung dieser ziemlich sicher verlassen. Immerhin machen die nichts anderes. 

Es empfiehlt sich dennoch, selbst einmal einen Blick auf das KFZ zu werfen. Speziell im Innenraum könnt ihr gut erkennen, ob der Zustand auch zum Kilometerstand passt. Bei einem Auto mit sagen wir mal 25.000 km sollten noch keine gravierenden Gebrauchsspuren an Lenkrad und Infotainment bzw. stark eingesessenen Sitzen zu sehen sein. Außerdem kann man sich mit einem Blick unter die Motorhaube einen Überblick über den nächsten Ölwechsel verschaffen. Da das Öl ca. alle 30.000 Kilometer getauscht werden soll, kann man bei einem stark abweichendem Wert durchaus skeptisch werden. 

Der zweite Weg einer möglichen Manipulation auf die Schliche zu kommen, ist ein Auslesegerät an das Auto anzuschließen. 

Ein solches Gerät bietet beispielsweise Carly an. Solche Geräte lesen den gesamten Datenstand des Autos aus und liefern damit ein zuverlässiges Ergebnis. Wie das funktioniert ist ein Kinderspiel, nachdem wir uns weiter oben schon mit den Speicherorten des Kilometerstandes und den diversen Steuergeräten befasst haben. Der Adapter von Carly liest wie gesagt alle Steuergeräte aus und vergleicht dabei die unterschiedlichen Daten. 

Auch wenn Profi-Betrüger mittlerweile nicht nur den Kilometerstand am Tacho zurückdrehen können, ist es ihnen bei momentanem Stand der Technik nicht möglich, an alle gespeicherten Kilometerstände zu gelangen. Außerdem steigt der Arbeitsaufwand für Betrüger stark an, da das Umschreiben der einzelnen Daten eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. 

Zu guter Letzt können wir euch nur empfehlen, bei einem Gebrauchtwagenkauf den oder die Vorbesitzer zu kontaktieren. Bei kompetenten Vorbesitzern die auch bereit sind gemeinsam mit euch zu arbeiten, könnt ihr Tachomanipulation sehr sicher Ausschließen. Dabei müssen diese nicht ehrlich mit euch sein, jedoch muss die Manipulation dann schon im großen Stil von Vollprofis von vorne bis hinten durchgeplant sein und mit etwas Menschenkenntnis kann man auch hier noch mögliche Lügner entlarven. Wenn es mehrere Vorbesitzer gab, könnt ihr diese eventuell im Service-Heft finden. Im Verdachtsfall seid ihr gut beraten, in einer Werkstatt das Produktionsdatum von Tacho und Steuergeräten ermitteln zu lassen, da diese bei einer Manipulation auch mal kaputtgehen können. Wenn dieses Datum nicht mit dem Herstellungsdatum des Autos passen, wurden diese ersetzt. Die einzige Ausnahme bildet hierbei ein nachweislicher Defekt eines Steuergeräts, welchen der Vorbesitzer auch belegen muss und bei sachgerechtem Tausch auch kann.

Was tun, wenn der Tacho manipuliert wurde?

Wir wollen gleich zu Beginn betonen, dass es nicht leicht ist ein Verfahren wegen Tachomanipulation zu gewinnen. Man sollte dennoch nichts unversucht lassen, um den Täter nicht davon kommen zu lassen. Bei der aktuellen Rechtslage muss man zwischen zwei Sachverhalten unterscheiden:

  • Tachometer Manipulation: Neben der tatsächlichen Manipulation kann auch die Vorbereitung eines Missbrauchs der Laufleistung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr strafrechtliche Konsequenzen haben.
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  • Betrug: Betrug ist kein Kavaliersdelikt. Es drohen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe bei Verstoß gegen das Gesetz. Bei Betrug geht es zum einen um den bewussten Verkauf eines Fahrzeugs, bei dem der Tacho manipuliert wurde,  und zum anderen auch darum, das, wenn der Verkäufer nur über die Manipulation Bescheid wusste, dass aber nicht an den Käufer weiterleitet, er genauso Probleme bekommen kann. Das geht so weit, dass er nicht behaupten darf, die Laufleistung wäre in Ordnung, wenn er sich darüber selber nicht im Klaren ist. 

Das große Problem vor Gericht stellt der glaubhafte Nachweis der Manipulation dar. Wie ihr eine Manipulation aufdecken könnt, haben wir weiter oben bereits ausführlich besprochen. 

tacho manipuliert was tun

Hinweis: schaut euch den Zustand des Autos auch nach dem Kauf nochmal genau an. Denn es gilt, selbst wenn man nach dem Kauf auf eine Manipulation oder andere Mängel aufmerksam wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. 

Beispielsweise macht die Formulierung im Kaufvertrag einen großen Unterschied. Eine Formulierung wie “Laufleistung laut Tacho” nimmt den Verkäufer aus der Schuld, zumindest was den Vertrag angeht. Anders ist es, wenn unter der Rubrik “Zusicherung des Verkäufers” der konkrete Kilometerstand vom Verkäufer bestätigt wurde. Beachtet das unbedingt vor dem Kauf, denn es kann euch im Nachhinein das Argumentieren um einiges erleichtern. Dies tritt bei einem “Rücktritt vom Vertrag” in Kraft.

Hierbei handelt es sich um eine Rückabwicklung des Kaufvertrages, wobei der Verkäufer das Auto und der Käufer im Gegenzug das bezahlte Geld zurückbekommt. Ein Rücktritt ist möglich, wenn ein Sachmangel vorliegt. Dabei entscheidet die jeweilige Formulierung im Kaufvertrag. Der Käufer darf grundsätzlich von der Richtigkeit der Laufleistung ausgehen. Bei unklaren Formulierungen oder ausdrücklicher Erwähnung von Unkenntnis über die Laufleistung ist ein Rücktritt nicht möglich, da laut Gesetz keine genau Festsetzung vorliegt und es so nicht als Mangel gilt. 

Schadensersatz steht dem Käufer zu, wenn der Betrug nachgewiesen werden kann. Dann ist ein Schadensersatz in Höhe der Wertdifferenz zwischen angegebenen und nachgewiesenen Tachostand fällig. Bsp: Ein Auto wird mit 70.000 Kilometer mit einem Preis von 10.000 Euro verkauft. Die tatsächliche Laufleistung beträgt allerdings 140.000 Kilometer. In diesem Fall wäre das Auto dann nur noch 7.000 Euro Wert. Bei einem glaubhaften Nachweis ist der Verkäufer somit verpflichtet, die Differenz von 3.000 Euro an den Käufer zu zahlen. 

Bei der Minderung funktioniert das ähnlich. Der Preis des Autos muss in dem Verhältnis des Werts einer Sache in mangelfreiem Zustand zu dem wirklichen Wert zum Zeitpunkt des Verkaufs herabgesetzt werden. Die Preise sind, falls notwendig, von einem Sachverständigen schätzen zu lassen. Ist der Kaufpreis bereits bezahlt, muss der Verkäufer die Differenz Rücküberweisen.

Alle Angaben verstehen sich ohne Gewähr. Kontaktieren Sie ggf. einen Anwalt.